Was ist sexualisierte Gewalt?

Als sexualisierte Gewalt bezeichnen wir all jene Situationen, in denen Sexualität als Machtdemonstration eingesetzt wird, um andere zu demütigen, herabzusetzen, zu unterwerfen oder zu verletzen. Dazu gehört jedes Verhalten, das in die sexuelle Selbstbestimmung eingreift und sich über sie hinwegsetzt. Alle Mädchen und Frauen können davon betroffen sein, unabhängig von ihrem Alter, ihrem Aussehen oder ihrem Verhalten. Die Täter sind selten Fremde. Sie stammen meist aus dem sozialen Umfeld der Mädchen und Frauen. Es sind z.B. Freunde, Bekannte, Partner und Ehe­männer, Väter, Brüder, Kollegen. Die meisten sexuellen Übergriffe finden im gewohnten Umfeld statt, z.B. am Arbeitsplatz oder in der Wohnung.

Sexualisierte Gewalt hat viele Gesichter. Als Ausdruck vornehmlich männlicher Macht zeigt sie sich z.B. in Form von:

  • ausziehenden und taxierenden Blicken
  • anzüglichen Bemerkungen
  • frauenfeindlicher Sprache
  • pornographischen Darstellungen und frauenfeindlicher Werbung
  • ungewollten Berührungen
  • jeglichen ungewollten sexuellen Handlungen
  • Nutzung von KO-Tropfen, um Frauen willenlos zu machen
  • sexualisierter Gewalt mittels digitaler Medien
  • Belästigung am Arbeitsplatz
  • sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend
  • Vergewaltigung außerhalb und innerhalb der Ehe/Partnerschaft
  • sexualisierter Gewalt in der Therapie

Sexualisierte Gewalt bedeutet für die Betroffenen eine Verletzung ihrer weiblichen Würde, ihrer Persönlichkeit, ihrer Sicherheit und ihres Rechts auf Selbstbestimmung. Häufig wird extreme Hilflosigkeit erlebt, was dazu führt, dass das Geschehen nicht in gewohnter Weise verarbeitet werden kann. Es wirkt fort und bewirkt eine Erschütterung des seelischen und körperlichen Gleichgewichts. Das Lebensgefühl und die Haltung zur Welt werden nachhaltig berührt.

Inwieweit die Gewalterlebnisse verarbeitet werden können, hängt in hohem Maße von der Unterstützung ab, die die Betroffenen von anderen erhalten. Wir Mitarbeiterinnen von der Beratungsstelle Lilith möchten Frauen und Mädchen diese Unterstützung geben. Denn trotz der öffentlichen Diskussion um das Thema halten sich Schuldzuweisungen, Vorurteile und Falschinformationen hartnäckig. Unsere Hilfe ist unabhängig davon, ob eine Anzeige erstattet wurde/werden soll oder nicht und unabhängig davon, wie lange die Gewalterfahrung zurückliegt. Sich Unterstützung zu holen, ist ein wichtiger Schritt, erlebte Ohnmacht zu überwinden.