Sexualisierte digitale Gewalt

Sexualisierte digitale Gewalt

Heute sind bereits 43 % der 7-jährigen und 80 % der 9-jährigen online. Noch unübersichtlicher wird die Situation durch Smartphones. 5% der 6-7-Jährigen, 17% der 8-9-jährigen, bereits 43% der 10-11-jähringen und satte 73% der 11-12-jährigen besitzen ein eigenes Smartphone. Die Eltern verlieren damit oft jegliche Kontrolle über das Surfverhalten ihres Kindes.

Viele Teilnehmer in Kinderchats sind Täter auf der Suche nach Kindern. Für Täter war es noch nie so einfach, Kontakt mit Kindern aufzunehmen. 40% der Kinder und Jugendlichen werden im Internet sexuell belästigt. Rechnet man die Daten der MIKADO-Studie aus, so haben 728.000 Erwachsene in Deutschland sexualisierte Online-Kontakte zu Kindern (unter 14 Jahren). Online bzw. digital haben Täter und Täterinnen einen entscheidenden Vorteil: den direkten und ungestörten Kontakt zum Kind.

Nach einer Studie, bei der 1.700 Schüler und Schülerinnen zum Chatten befragt wurden, haben

  • 50% der Mädchen schon einmal ungewollte sexuelle Anmache erlebt, d.h. sie wurden gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen, ihrem Aussehen, ihren sexuellen Erfahrungen befragt oder der andere Chatteilnehmer hat von seinen sexuellen Erfahrungen berichtet.
  • 10% der Mädchen haben schon mal pornografische Fotos oder Filme erhalten, also Bilder, auf denen Personen nackt zu sehen sind und/oder sexuelle Handlungen dargestellt werden.
  • 10% der Mädchen wurden auch schon mal zu sexuellen Handlungen vor einer Webcam 
    aufgefordert.

Cybergrooming (englisch: anbahnen, vorbereiten) meint das gezielte Ansprechen Minderjähriger über das Internet mit dem Ziel, sexuelle Kontakte anzubahnen. Dabei werden Kinder oft anonym, aber auch unter falschem Namen oder sogar richtiger Identität, belästigt und zum Übersenden von Nacktaufnahmen oder Treffen aufgefordert. Die Täter gehen meist strategisch vor. Sie suchen gezielt Kontakt, versuchen Vertrauen aufzubauen, das Kind in Abhängigkeiten zu verstricken und planen gezielt Übergriffe. Die Betroffenen haben oft Hemmungen, sich Eltern oder anderen Vertrauenspersonen mitzuteilen, weil sie Sanktionen fürchten oder sich sogar selbst schuldig fühlen. Von Cybergrooming sind 40 % der Kinder und Jugendlichen betroffen.

Beim Sexting geht es um das Versenden von erotischen Selfies in Form von Fotos oder Filmen. Sexting ist nicht nur unter Jugendlichen ein großer Trend. Es ist eine Form Sexualität auszuprobieren in einer zunächst einmal sicher erscheinenden Weise (Wie attraktiv bin ich? Wie komme ich an? Was sagen die anderen?). Ist allerdings ein Foto oder Film digital versandt, verliert das Mädchen/ die Frau jegliche Kontrolle darüber. JedeR, der diesen Inhalt in die Hände bekommt, kann ihn kopieren, verändern und verbreiten. Diese Bilder oder Filme verbreiten sich immer wieder in Windeseile in der Schule, im Ort, im Verein, überall. Oft werden sie gedankenlos weitergeschickt. Doch jeder, der sich an der Verbreitung beteiligt, wird Teil des Cybermobs. Abgesehen davon ist Sexting auch eine gezielte Strategie von Missbrauchs-Tätern. Es ermöglicht Erpressung: „Wenn du nicht machst, was ich will, mache ich das Foto öffentlich“.  

Informationen zu Cyberstalking erhalten sie unter dem Beratungsthema Stalking.

Weitere Informationen erhalten Sie über:

  • Innocence in Danger, einer weltweiten Bewegung zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch und pornografischer Ausbeutung im Internet
  • „save me online“, einer kostenlosen und anonymen Onlineberatung zu sexuellen Übergriffen für ältere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
  • Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, welches zu allen Formen von Cybergewalt, darunter Beleidigung, Verleumdung, Bedrohung, Erpressung und Cyberstalking berät